Samstag, 01.07.2006
Letzter Tag - Ankunft an der Transamazônica ? Resümee und Ausblick
Ja, nun ist es vorbei. Wir sind nach einer letzten, langen und anstrengenden Fahrt den Sucunduri hinunter an der Transamazônica angekommen. Das letzte Stück war dann noch per Jeep zu bewältigen und nun sind wir am Ziel in Apuí. Hier gilt es nun schon mal ein erstes Resümee zu ziehen, daher der Rest der Reise nur in Bildern.

Fast ohne Aufenthalt, nur noch fahren, fahren, fahren ? © WWF / Zig Koch
Freitag, 30.06.2006
Ein Kaiman vorm Zelt und endlich ein Foto vom Amazonasdelfin!
Nachdem der gestrige Bericht endlich erfolgreich versendet war, hatte ich noch ein besonderes Erlebnis. Kaum 5 Meter vom Eingang meines Zeltes entfernt, welches auf einer Steinplatte in der Nähe des Sucunduri-Ufers errichtet war, leuchteten mir die Augen eines Krokodilkaimans entgegen. Auch von meiner Taschenlampe ließ er sich nicht irritieren und glotzte weiterhin in mein Zelt ? was mich zugegebenermaßen irritierte. Unser Fotograf Zig Koch hingegen war total begeistert und hat tolle Bilder geschossen. Glücklicherweise hat mir das ca. 2 Meter lange Tier nachts keinen Besuch im Zelt abgestattet. Die Nacht war dennoch wenig entspannt. Ich schiebe das mal auf die Unebenheiten der Felsplatte unterm Zelt, die ich wohl unterschätzt hatte ?

Nächtlicher Besucher: Ein Krokodilkaiman, © WWF / Zig Koch
Donnerstag, 29.06.2006
WWF-Expedition entdeckt möglicherweise neue Tier- und Pflanzenarten
Wie es aussieht haben die Wissenschaftlerteams im Bereich des Sucunduri-Flusses einige aufregende Entdeckungen gemacht: Sie haben nämlich bereits eine Affenart, zwei Vogelarten, zwei Fischarten, zwei Baumfroscharten und eine Baumart ausgemacht, die bisher niemand kannte und die offensichtlich wissenschaftlich noch nicht beschrieben sind. Es müssen aber natürlich nach dem Ende der Expedition noch Tests gemacht und alle gesammelten Informationen ausgewertet und in der Fachwelt diskutiert werden.

Auswertung der botanischen Funde, ©WWF/Zig Koch
Mittwoch, 28.06.2006
Von Riesenkröten und nicht hüpfenden Fröschen
Heute hatten ich einen spannenden Tag mit Tieren, die viele Menschen einfach nur ekelig finden: Frösche, Echsen und Schlangen. Wer aber wie ich die Gelegenheit hat, einen Tag mit Fabiano, dem Herpetologen der Expedition, durch den südlichen Amazonas-Regenwald zu ziehen, würde vermutlich seine Einstellung zu diesen Kreaturen ändern. Das gilt vor allem dann, wenn man sie vor dem Hintergrund eines versteckt liegenden, malerischen Wasserfalls beobachten kann, wie es bei uns der Fall war. Vom Camp der Wissenschaftler aus gibt es einen schmalen Pfad, der in den letzten Tagen vom Team eigens für die laufenden Forschungsarbeiten angelegt wurde. Nach etwa 50 Minuten kamen wir völlig verschwitzt an dem Ort der heutigen herpetologischen Untersuchungen an.

Unwirkliche Schönheit: Versteckter Wasserfall im dichten Urwald © WWF / Michael Evers
Dienstag, 27.06.2006
Forschungsstation unter Planen
Gestern hat das Versenden des Tagesberichtes nun wirklich nicht funktioniert, da sich die Gruppe zwischenzeitlich aufgeteilt hatte und das technische Equipment mit meinm Kollegen, Cláudio Maretti, unterwegs war. Heute konnte ich ihm mein Material zukommen lassen. Wenn Sie diesen Bericht lesen, heißt das offensichtlich, dass die Übermittlung meines Berichtes und meiner Fotos erfolgreich war.

Das "Forschercamp" © WWF / Michael Evers
Zunächst sind wir nach einem einstündigen Hubschrauberflug, der größte Teil davon über intaktem Regenwald, in Terra Preta, dem Camp der Wissenschaftler, angekommen. Vom ersten Moment an wurde deutlich, dass hier eine Gruppe von Wissenschaftlern arbeitet, deren einziges Interesse es ist, möglichst viele verwertbare Informationen über die Vogelwelt, die Fische, die Affen, die Säugetiere und die Pflanzen in diesem Gebiet zu sammeln. Für jede dieser Artengruppen ist jeweils ein Spezialist verantwortlich, dem wiederum je ein kleines Team zuarbeitet. Und doch sieht alles anders als das, was man sich unter einer systematischen wissenschaftlichen Untersuchung vorstellt.
Montag, 26.06.2006
Ankunft im ?Urwaldhotel? Terra Preta
Als hätten wir?s herbeigerufen: Gestern noch schilderte Michael Evers die Schwierigkeiten, Bilder und Texte aus dem Dschungel oder von einsamen Orten an der Transamazônica
nach Deutschland, in die Schweiz und in die brasilianische Hauptstadt zu übermitteln. Und gestern Abend brach nun die Verbindung per Satellitentelefon nach dem Übertagen der Fotos des Tages vorläufig ganz ab. Daher heute erst einmal dieser Text aus dem WWF-Büro in Frankfurt.

Überflieger: Ankunft im ?Urwaldhotel? Terra Preta, ©WWF/Zig Koch
Sonntag, 25.06.2006
Luftholen fürs Finale ? Zwischenstopp in Apuí
Der gestrige Besuch bei den Kayabi war meiner Ansicht nach sehr erfolgreich und verschafft uns eine gute Basis für die weitere Zusammenarbeit mit den indigenen Bevölkerungsgruppen in der Region. Im Anschluss daran sind wir ? mein brasilianischer Kollege und Chef der Expedition Cláudio Maretti, ein Vertreter der unter anderem für die Nationalparks zuständigen brasiliansischen Regierungsagentur INEFAN, ein Journalist und das VOX-Filmteam ? nach Apuí gebracht worden. Apuí ist ein eher landwirtschaftlich geprägter Ort, der an der Transamazonica liegt ? der legendären Ost-West-Verkehrsverbindung durch ganz Brasilien. In einer Kombination aus Bootsfahrt und Flug mit dem Kleinflugzeug sind wir gerade noch rechtzeitig angekommen. Da es so spät war, war der Pilot aus Sicherheitsgründen nicht mehr bereit, noch einmal zwischenzulanden und Cláudio und mich bei der Expedition abzusetzen.

Abschied vom Juruena (c) Gustavo Irgang - ICV
Samstag, 24.06.2006
Zu Besuch im Dorf der Kayabi am Fluss Teles-Pires
(Michael Evers zurück bei der Expedition)
Nach einigen Aufnahmetagen mit einem deutschen Filmteam in einem benachbarten Gebiet, bin ich nun wieder zurück bei der Hauptexpedition. Grund für die kurze Extra-Schleife war, dass das Team für eine ganze Menge Naturaufnahmen die nötige Zeit und Flexibilität brauchte, die es im gnadenlosen Expeditionsablauf einfach nicht hat. Von nun an wird auch das Filmteam bei der Expedition mitreisen.
Freitag, 23.06.2006
Am Ende der Wasserfälle: WWF-Expedition und Apiacás-Indianer im Fußballfieber
Der Abschied von den Wasserfällen und unserem letzten Rastplatz wurde uns wirklich schwer gemacht.

Unvergesslich: Sonnenaufgang über dem Juruena, (c) WWF Zig Koch
Als Zig, unser Fotograf, uns heute sehr früh weckte und wir daraufhin einen ersten Blick aus dem Zelt warfen, präsentierte sich der Amazonasmorgen auf eine Weise, die wir so schnell nicht vergessen werden: Erstes Sonnenlicht schimmerte hinter dem dichten Wald am anderen Flussufer. Darüber eine leichte Nebelschicht. Ein Bild kann das nur schwer wiedergeben, vor allem nicht die vielen geschäftigen Vogelstimmen, die dieses Erlebnis untermalten.
Donnerstag, 22.06.2006
Sensationelle Entdeckung: Expedition sichtet rosa Flussdelfin im Juruena!
Es gab bereits entsprechende Gerüchte unter den Einheimischen, aber bisher keine offizielle Bestätigung: Delfine mitten im neuen Nationalpark Juruena! Und wie es aussieht, sogar den rosa Flussdelfin!
Schon im Laufe des Tages hatten wir als nette Überraschung einige Sotalia-Flussdelfine gesehen.
Der Amazonas-Sotalia ein reiner Süßwasserdelfin, der bis in den oberen Amazonas am Rand der Anden zu finden ist. Dabei teilt er das Verbreitungsgebiet mit dem (rosa) Amazonasdelfin. Während dieser aber die schlammigen Nebenarme bevorzugt, lebt der Sotalia in den klaren, breiten Strömen. Er ist aktiver, schneller und springfreudiger als der Amazonasdelfin, aber weniger neugierig. (Quelle: Wikipedia)

Leider fehlte bei der sensationellen Entdeckung die Kamera - aber man kann sich vorstellen, dass sich der rosa Flussdelfin in solch einer Umgebung wohl fühlt!
Mittwoch, 21.06.2006
Inferno und Barmherzigkeit: Die WWF-Expedition kämpft sich voran
Nachdem wir unser Camp an den St. Gabriel-Wasserfällen verlassen hatten ging es einige Zeit über den Fluss bis zu den Affen-Wasserfällen. Diese machten ihrem Namen keine Ehre. Ob sich die Affen wohl vor uns im Wald versteckt hatten? Entschädigt wurden wir mit einem Flussstrand mit Sand und Palmen, wie es sie sonst wohl nur auf Postkarten gibt. Nach einem kurzen Stück mit Gepäck über Land ging es wieder in die Boote und weiter ? ein Kinderspiel gegen das was uns dann erwartete.

Es geht voran ? bis zum nächsten Wasserfall
Dienstag, 20.06.2006
Fortsetzung der Expedition auf dem Juruena und Überwindung einiger Wasserfälle und Stromschnellen
Heute sind wir ein richtig gutes Stück auf dem Juruena vorangekommen: 60 Flusskilometer an einem Tag. Das war auch nötig, da wir ja zeitlich in Verzug sind. Luftlinie wären es nur 40 Kilometer gewesen. Der Unterschied erklärt sich durch das ausschweifende Mäandern des Flusses ? gut für den Fluss, anstrengend für uns. Insgesamt sind es von der Goldgräberstätte am ersten Flusstag bis zum Punkt ?Jurumé?, wo wir abends am 22. Juni eintreffen wollen, an die 155 Flusskilometer. an die 150 Kilometer. Jetzt sind es vermutlich nur noch um die 55 Kilometer bis Jurumé, wo wir abends am 22. Juni eintreffen wollen. Nun haben wir zwei Tage vor uns, an denen wir uns etwas mehr Zeit lassen und die Natur noch intensiver studieren können.

Ohne uns geht?s sicherer ? der Ritt des Bootsführers auf dem Wasserfall (c) WWF Zig Koch
Montag, 19.06.2006
Erste Wasserfälle, 5 Tonnen Gepäck mussten über Land getragen werden
Heute haben wir die ersten Wasserfälle überwunden. Los ging es mit einem Wasserfall, der sich über eine Länge von 250 Metern hinzieht und der über viele Stufen hinab in die Tiefe stürzt ? wunderschön und im Amazonasgebiet eher eine Seltenheit.

Die faszinierenden Augusto-Fälle (c) WWF Zig Koch
Sonntag, 18.06.2006
Von Apiacás zum Startpunkt der Flussexpedition: den Wasserfällen von Salto Augusto
Heute war alles anders. Schon um 7 Uhr startete der Hubschrauber mit den ersten vier Personen von uns in Richtung Salto Augusto am Juruena. Aufgrund der Zeit, die wir bereits verloren hatten beschlossen wir, dass nur eine Gruppe aus unserer Expedition die Goldgräber besucht, und dass die anderen sofort zu den Wasserfällen von Salto Augusto gebracht werden.

Wasser in Sicht: endlich Anflug auf den Juruena! (c) WWF Zig Koch
Obwohl mich die Informationen und Erkenntnisse rund um den Goldbergbau im Nirgendwo des Amazonasurwaldes (ökonomische Bedeutung, Einfluss auf die Natur, was ist legal, was ist illegal, was können die nächsten Schritte in Bezug auf die Umsetzung der Nationalparkpläne sein?) sehr interessiert hätten, war ich dann doch froh, bei der ersten Gruppe dabei zu sein: Der Anflug auf die Wasserfälle war einfach umwerfend, und wir waren uns einig, dass dieser Platz eines der Highlights innerhalb des Parks werden wird. Oder ist das ein zu voreiliger Schluss beim ersten Eintauchen in diese pralle Natur?
Samstag, 17.06.2006
Gute Gespräche in Apiacás, und dann sitzen wir fest!
Heute wurde unsere Geduld auf eine harte Probe gestellt. Theoretisch war uns ja vorher klar, dass wir uns auf dem Weg in den Regenwald bei (Gott sei Dank!) fast nicht vorhandener Infrastruktur auf einige Widrigkeiten und Improvisationen einstellen müssten. In der Praxis ist schier unendliches, am Ende vergebliches Warten in der Tropenhitze und das nachfolgende Umwerfen der schönen Planung zwischenzeitlich doch ein herber Rückschlag. Schließlich wollten wir endlich nach einem weiteren Treffen in Apiacás zum Juruena-Fluss in den Dschungel und zu den Goldgräbern.

Treffen von WWF-Mitarbeitern mit Gemeindevertretern von Apiacas (c) Marcos Pinheiro, WWF Brasil
Zunächst lief alles wie geplant. Ein weiteres Treffen am Morgen mit den Bürgermeistern der Gemeinden, die Flächen an den Park abgegeben haben, fand in sehr guter Stimmung statt. Wir sind nun optimistisch gestimmt, dass Lösungen gefunden werden können, die eine gute Zusammenarbeit mit den Bewohnern der Region bei der Umsetzung der Nationalparkpläne ermöglicht. Die Verbesserung der ökonomischen Situation der Gemeinden in Parknähe, die Verbesserung der Holznutzung im Randgebiete des Parks mit der Möglichkeit, hier eine schonende Waldnutzung mit anerkanntem Zertifikat anzustoßen, und die Förderung des verträglichen Tourismus' in der Region sind dabei die wichtigsten Stichwörter. Der Nationalpark mit seinen Wasserfällen und seinen interessanten Tier- und Pflanzenarten hat hier Einiges zu bieten. Allerdings, um die Region interessant für Touristen zu machen, müssen noch geeignete Unterkünfte in Parknähe geschaffen und das Wegenetz verbessert werden.
Freitag, 16.06.2006
Gemeindeversammlung zur Vorstellung des Projektes "Juruena Nationalpark"
Heute Morgen konnte ich die Gemeinde Apiacàs aus der Luft kennen zu lernen. Um besser filmen zu können wurde die Türe der einmotorigen Maschine ausgehängt was mir zwar eine tolle Sicht bot aber auch ein gewisses Kribbeln in der Magengegend verursachte. Die wichtigsten Einkommensquellen von Apiacàs waren schnell identifiziert: zum einen extensive Viehhaltung auf ausgedehneten Weideflächen, zum anderen die Holznutzung, durch die vielen kleinen und kleinsten Sägewerke.

Links frisch gerodetes Land, rechts neuen Weideflächen (die weißen Punkte sind die Rinder)
Donnerstag, 15.06.2006
Besuch beim Waldadlerpaar
Den Wecker hätte ich mir heute sparen können: Aus dem an das Hotelgelände angrenzenden Wald drang bereits eine halbe Stunde nach vier Uhr morgens ein solch Ohren betäubendes Affengebrüll durch die offene Tür meines Zimmers, dass an Schlaf nicht mehr zu denken war. Aber ? halb so schlimm - wir mussten eh alle um fünf Uhr aus den Federn, denn um halb sechs war die erste kleine Exkursion in den Wald geplant.

Ein Harpyie (c) Ayslaner Gall
Hier gab es eine absolute Besonderheit zu beobachten: ein Harpyien(Waldadler-)paar hat in einem Baum ein Nest errichtet und zieht hier seit Februar ein Junges auf. Wer sich mit diesen beeindruckenden Greifvögeln beschäftigt, weiß, wie selten ein solcher Anblick ist.
Mittwoch, 14.06.2006
Ankunft in Alta Floresta
Nach 24 Stunden anstrengender Reise bin ich endlich in Alta Floresta eingetroffen. Bereits bei einem Zwischenstopp in Cuiaba habe ich viele der anderen Expeditionsteilnehmer getroffen, die schwitzend unter Bergen von Gepäck im letzten Moment die zweimotorige Propellermaschine bestiegen.
Das gab ein riesiges Begrüßungshallo, so dass uns die Flugbegleiterin wohl am liebsten wieder alle aufs Flugfeld gesetzt hätte.
Während des Fluges nach Alta Floresta dehnten sich Soyafelder und Weiden bis zum Horizont aus. Diese werden nur gelegentlich von kleineren Waldinseln unterbrochen. Ohne Unterschutzstellung sähe die Zukunft des Juruena-Nationalpark auch so aus.
